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Sonnenstein Band 1

von Stjepan Šejić


Klappentext von Sonnenstein Band 1:

„Sex-Nerds. Nichts anderes sind BDSM-Anhänger doch im Grunde… hinter all den Masken.“

Der von den Kritikern gefeierte Comic-Künstler Stjepan Šejić (Death Vigil, Ravine, Aphrodite IX, Wichblade) erschuf mit Sonnenstein eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art: Lisas Geschmack war schon immer ein wenig… anders. Ihr Verlangen beim Sex war es, gefesselt zu werden, damit sie sich ganz hingeben konnte. Ein, bei sich in gesellschaftlichen Normen bewegenden Beziehungen, nicht ganz leicht zu erfüllender Wunsch, weshalb ihr Liebesleben noch nie wirklich befriedigend war… bis sie Ally traf.

Ally wirkte auf den ersten Blick wirklich ganz durchschnittlich ­– sie war erfolgreich in ihrem Job, besaß ein großes Haus und hatte eine liebevolle Kindheit verbracht – aber ihre dominante Ader beim sex machte sie zu etwas Außergewöhnlichem, und für Lisa zur perfekten Partnerin.

Sonnenstein ist das erste Kapitel dieser oft erotischen, immer unterhaltsamen und überraschend romantischen Liebesgeschichte, die ursprünglich im Internet veröffentlicht wurde.

Sonnenstein Teaser

Durch einen Beitrag des Bondage-Maestros Matthias T.J. Grimme („Das SM-Handbuch“, „Das Bondage-Handbuch“) wurde ich auf den ersten Band der „Sonnenstein“-Serie von Stjepan Šejić aufmerksam. Die Bilder, die ich dazu im Netz fand, verschlugen mir förmlich den Atem. Damals War ich gerade zur echten BDSMlerin erblüht (was das bedeutet, schildere ich irgendwann hier im Blog) und offen gestanden ziemlich stolz darauf, all den SM-Muggels da draußen - die schon erschauern, wenn im Film eine Frau mit Handschellen gefesselt wird - so unglaublich geile Erfahrungen vorauszuhaben.

Heute schmunzle ich über meine süß-naive SM-Weltsicht von damals, bin aber auch sehr froh, diese Phase so wundervoll fröhlich und frei genossen zu haben. Damals war es jedenfalls noch ein prickelndes Gefühl für mich, in einen Comic-Laden zu stolzieren und zu fragen „Habt ihr den neuen Band von Sonnenstein?“ Ausstrahlung und Haltung des nerdigen Tresen-Männchens veränderten sich schlagartig, ich wurde mit Faszination gemustert und dann änderten sich Körperhaltung und Stimme und mit einem verschwörerischen „Natürlich!“ verschwand er und brachte dann das Objekt meiner (und wohl auch seiner) Begierde an den Tresen zu mir. Mit selbstbewusst-amüsierter Attitüde bedankte ich mich, bezahlte, zwinkerte ihm noch einmal zu und verließ dann mit meiner Beute den Laden – in der sicheren Gewissheit, für intensive Fantasien gesorgt zu haben ?
 

© Stjepan Šejić

„Sonnenstein“ ist für mich wirklich wie ein Wunder. Atemberaubende Zeichnungen und eine Tiefe der Texte, Gedanken, Entwicklungen, Eindrücke und Erfahrungen, die mich immer wieder vollkommen in ihren Bann ziehen. So viel hätte dabei schief gehen und zum billigen Klischée verkommen können: Junge schöne, gebildete Charaktere, die wohlhabende Dominatrix und die jobbende Jung-Texterin, die kinky Party-Szene… eigentlich schrie alles: „Das kann nur Kinky Play Kitsch werden!“…

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Entstehungsgeschichte von „Sonnenstein“ (die  Stjepan Šejić herrlich offen und selbstironisch im ersten Band als Comic-Extra schildert). Der Künstler befand sich seinerzeit in einer Schaffenskrise, war abgestumpft und leer, ohne Hoffnung auf ein neues Erwachen seiner kreativen Schaffenslust… völlig ausgebrannt. Dann erinnerte er sich an ein angedachtes Projekt ganz zu Beginn seiner phänomenalen Karriere als Comic-Artist: Ein Fetisch-Comic.

Erste Zeichnungen entstanden, ganz klar ohne die Absicht, daraus jemals eine echte Geschichte entstehen zu lassen. Und die Faszination für das dabei entstehende, ergriff mehr und mehr Besitz von ihm. Unter dem Pseudonym „Shiniez“ (namentlich inspiriert vom Latex-Glanz) präsentierte er (im kreativen Austausch und Einklang mit seiner Frau Linda) auf der Kreativ-Plattform „Deviant Art“ seine Zeichnungen und Short-Strips, ohne irgendwelche Erwartungen. Und die Reaktionen waren zu recht überwältigend! Die Fans waren begeistert und verlangten nach mehr, auch den Hintergründen der Protagonisten dieser wundervollen Artworks.

Was zunächst nur ein paar schöne Fetisch-Zeichnungen waren, wurde mehr und mehr zu einem lebendigen Kosmos. Die Charaktere erwachten zum Leben, veränderten sich dabei, bekamen Persönlichkeit, Hintergrund, Tiefe und einen bezaubernden sinnlichen Humor. Da es sich im Grunde um die Liebesgeschichte zweier Frauen handelte, sexueller Nerds, die im BDSM den perfekten Kosmos zum Ausleben ihrer Leidenschaft finden, war seine Frau Linda vor allem dann involviert, wenn es darum ging, „typisch weibliches“ glaubhaft-intensiv zu schildern. So einfühlsam Stjepan Šejić auch ist, er ist halt doch „nur ein Mann“ ?

Da „Sonnenstein“ ein kreatives Projekt reiner Leidenchaft ist, veröffentlicht der Künstler seine Werke und auch die gesamten Graphic Novels tatsächlich kostenfrei auf Deviant Art – ein unglaublich schönes Geschenk an die Fans seiner Kunst!

Wie wundervoll sein Werk ist, wird dadurch deutlich, dass man zwar alles gratis auf den Computer laden kann, aber dennoch die Hardcover-Ausgaben der „Sonnenstein“-Geschichte zu internationalen Erfolgen wurden. Für diese Ausgaben hat Stjepan Šejić seine Zeichnungen zum Teil noch stark überarbeitet, aber es ist dennoch bezeichnend, dass die Fans diese wunderschöne Geschichte auch gedruckt nach Hause holen und genießen wollen (so wie ich). Den ersten Band kann man sogar als PDF in Print-Qualität downloaden, das identisch mit der Hardcover-Version ist (nur die schönen Extras fehlen dabei).
 

© Stjepan Šejić

 

Story & meine Meinung

Ally ist schön und als Softwareentwicklerin so erfolgreich, dass sie sich ein schönes Haus und diverse Extravaganzen leisten kann. Zu letzteren zählen auch die SM-Möbel und (Latex)Outfits, die ihr enger Freund Alan für sie entwirft und umsetzt. Ally und Alan sind darüber hinaus Computergamenerds, die sich völlig in Fantasy-Welten verlieren können. Sie erscheint als dunkelhaarige, niveauvolle, faszinierende Person voller BDSM-Gelüste. Doch im Grunde ist Ally eine unglaublich einsame Person, die nur davon träumen kann, ihre dominanten Fantasien jemals zu realisieren. Im ersten Band wird bereits angedeutet, dass sie und Alan einst ein Paar waren, das auch intensive SM-Spiele praktizierte, es aber nicht funktionierte, da sie beide dominant sind.

Lisa ist eine junge, intelligente, kreative Frau mit frechen roten Haaren und jeder Menge unerfüllter Sehnsüchte. Sie verfasst erotische Fantasy-Stories und schlägt sich als Tresenkraft durch. Wie Ally sucht sie nach etwas besonderem in ihrem Leben - insbesondere nach einer Möglichkeit, endlich ihre submissiven BDSM-Leidenschaften auszuleben.
 

© Stjepan Šejić

Diese beiden sehnsuchtsvollen Wesen begegnen sich beim Online-Chatten und stellen schnell fest, dass sie vieles verbindet. Aber die Unsicherheit ist doch groß, ob sich die Online-Faszination auch in die reale Welt übertragen lässt. Wirklich gelebtes BDSM basiert zum ganz großen Teil auf totalem Vertrauen, ohne das wirkliche Hingabe nicht möglich ist. Schließlich fasst sich Lisa ein Herz und gesteht Ally, dass sie sie gern treffen würde. Und Ally lädt sie daraufhin in ihr Haus ein (und lässt sogleich Alan noch ein Bondage-Bett bauen, das ihren tiefsten Träumen entspricht).

Zwei Frauen, die bisher auf Männer standen, und beide davon ausgehen, dass das alles bestenfalls eine Serie von intensiven sexuellen kinky SM-Abenteuern werden wird, werden mit all ihren Hoffnungen und Ängsten und Unsicherheiten geschildert. Und dabei auf eine Weise real und menschlich, die einfach nur bezaubert – ich bin in beide bis über beide Ohren verliebt! Und das Schicksal beginnt sein wundervoll wild-sinnliches Spiel mit den beiden zu spielen, die einander – trotz aller Vorbehalte – rettungslos verfallen und sich Hals über Kopf ineinander verlieben.

Ihnen dabei zuzusehen und Anteil zu nehmen, wie sie mit ihren inneren Zwängen und Unsicherheiten kämpfen, wie gerade peinliche Situationen zu immer mehr Verbundenheit fühen, das ist so wundervoll geschildert, dass ich mich vor dem Künstler nur voller Dankbarkeit für dieses zauberhafte Werk verneigen kann. Und da ich beide Seiten (Dom und Sub) gelebt habe und lebe, weiß ich nur zu gut, dass die geschilderten inneren Dialoge von bezaubernder Wahrhaftigkeit sind.

Ich liebe die „Sonnenstein“ Graphic Novels wohl mehr, als alles andere, was in Sachen BDSM bislang veröffentlicht wurde. Spannend ist dabei für mich auch meine  Rezeption dieser intensiven Geschichte im Wandel meiner eigenen Entwicklung. Als ich den ersten Band verschlang, war ich noch heterosexuelle Maso-Sub. Heute hingegen bin ich lesbische Maso-Sad-Dominatrix. Ich kann mich daher in die Charaktere unglaublich gut hineinversetzen und habe „Sonnenstein“ über die Jahre aus beiden Perspektiven durchleben und genießen können. Und egal, welche der beiden Seiten (Dom oder Sub), sie sind in jedem Fall wahrhaftig.
 

© Stjepan Šejić

So unglaublich schön die Zeichnungen und Designs – insbesondere der Latex-Outfits und Tattoos – auch sind, das wahrhaft faszinierende, das mich bei „Sonnenstein“ so sehr in den Bann zieht, ist der „Inner Space“ der Charaktere. Stjepan Šejić erliegt nicht der Versuchung, Sex und Sessions explizit zu schildern, vieles wird lediglich angedeutet – und lässt dadurch die Fantasie des Lesers umso mehr in Wallung geraten. Manche Panels sind vergleichsweise schlicht gestaltet und geben Texten, die die Gedanken und Kommunikationen der Protagonisten schildern, so viel Raum, dass man es fast mit einem illustrierten Buch zu tun hat. Und dann wird man wieder mit Zeichnungen von solchem Detailreichtum, solcher fetischistischen Fantasie und Lebendigkeit konfrontiert, dass einem förmlich der Atem stockt. Dieser einzigartige Mix hebt „Sonnenstein“ meines Erachtens weit über alles Vergleichbare hinaus und ist von unerreichter Tiefe und Sinnlichkeit – und Wahrhaftigkeit.

„Sonnenstein“ wurde vom Panini-Verlag in einer großartig übersetzten Edition als wundervolles, edles Hardcover-Album veröffentlicht. Die Papier- und Druckqualität ist perfekt und überhaupt stimmt hier alles. Nachdem man die Geschichte von Allys und Lisas ersten Begegnungen und ihrer aufkeimenden Liebe verschlungen hat, wird man noch mit weiteren wunderschönen Gemälden (diese als Zeichnungen zu betiteln, würde ihnen nicht gerecht) und der schon erwähnten, herrlich selbstironischen Comic-Story verwöhnt, in der Stjepan Šejić schildert, wie „Sonnenstein“ geboren wurde. Und wieder beweist sich, dass aus der größten Tiefe oft das wunderschönste entsteht.
 

© Stjepan Šejić

 

Erschienen: 17.11.201
Publisher: Panini Comics
Seiten: 132
Format: Hardcover
Original: Sunstone 1
Autor & Zeichner: Stjepan Sejic

 

Leseprobe:

https://www.comicola.de/panini-leseproben/534-sondertitel-sonstige/sonnenstein/1768-leseprobe-sonnenstein-sunstone-band-1.html

shiniez auf Veiant Art:

https://www.deviantart.com/shiniez

Die erste Geschichte als PDF auf Deviant Art:

Print-Version – Comic only - english

Kommentare:

Na Dine schrieb am 21. Mai 2021 um 01.59 Uhr:

... oh wow ... da regnet es ja nur so Sehnsüchte und Schmetterlinge aus dem Bildschirm ...🙂🙂😅 ... ist aber auch genial gezeichnet


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