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Perfect Skin

von Kevin Chicken


Wenn ein Regisseur in einem Film gleich mehrere meiner intensivsten Fetische (Frauen-Glatze, Bodymods, Tattoos, Unterwerfung/Zwang/Debris, Verwandlung in ein Kunst-Objekt) zum zentralen Thema macht und mich dabei auf fast ganzer Linie überzeugt, es sich zudem um ein Erstlingswerk handelt, kann mein Respekt vor ihm und allen Beteiligten gar nicht groß genug sein. „Perfect Skin“ ist einer dieser ganz wenigen Filme, bei denen es mich beim Lesen der Beschreibung und Anschauen erster Fotos wie ein heftiger Stromschlag, gefolgt von einer heißen Welle durchzuckte. Und natürlich kamen auch gleich Befürchtungen auf, ob der Film tatsächlich meinen Erwartungen standhalten könne.
 

 
Weil er es kann, ist „Perfect Skin“ mittlerweile mein absoluter Favorit unter den SM-Filmen (gerade auch weil er Leidenschaften und Abgründe thematisiert, die über „normales“ SM weit hinausgehen und dem Feld des „Debris*“ zuzuordnen sind. „Perfect Skin“ wird auch dem Genre „Torture Porn“ zugewiesen, wobei sich der „Porn“-Aspekt in diesem Fall nicht in sexuell penetrierender Weise darstellt – umso mehr wird aber der Kopf des Zuschauers und die Seele der Protagonisten „gefickt“. Da ich nicht wissen kann, wie dieser Film auf Menschen wirkt, die meine Fetische nicht teilen, weise ich gleich darauf hin, dass diese Filmempfehlung ausgesprochen subjektiver Natur ist.
 

Die Story:

Was kann einem wirklichen Künstler Schlimmeres widerfahren, als dass er seine Kunst nicht mehr leben kann? Der Londoner Tattoo-Artist Bob (Richard Brake) erlebt diesen Albtraum, als er an Parkinson erkrankt; eine Krankheit, die seine Hände unkontrolliert zittern lässt, sodass tätowieren schon bald für ihn unmöglich sein wird. Diese Erkenntnis lässt tief in ihm den Wunsch übermächtig werden, ein letztes großes Lebenswerk zu vollenden: Eine Frau mit perfekter Haut in ein Canvas-Tattoo-Kunstwerk zu verwandeln.

Das Schicksal bringt ihn mit Katia (Natalia Kostrzewa) zusammen, die aus Osteuropa stammt und mittellos in der Wohnung einer Freundin untergekommen ist. Ziellos und hoffnungslos bestiehlt sie ihre Freundin und gibt sich dem Rausch einer zügellosen Nacht hin. Bob sieht in ihr die Verkörperung seiner lebenden Leinwand, vergisst alle Hemmungen und bringt sie in seine Gewalt. Katia erwacht in einem Kellerverlies, aus dem es kein Entrinnen gibt. Bob macht ihr bewusst, dass ihr keine Möglichkeit bleibt, als sich zu fügen.

So gerät Katia in einen Strudel aus Faszination, Widerwillen, Verzweiflung, Aufbegehren und Hoffnung während sie unter Bobs Händen mehr und mehr ihr normales menschliches Aussehen verliert und durch ihre Kopfrasur, Tattoos, Implantierte Hörner und Suspension zu einem immer extremeren Fetisch-(Alb)Traum wird, dem mit jedem Tag, der vergeht, der Rückweg in ein normales Leben immer unmöglicher wird – was mehr und mehr die Frage lauter werden lässt: „Macht es überhaupt noch Sinn, dagegen anzukämpfen?“.
 

 
Meine Meinung:

Der Film begeistert mich vor allem durch seine absolute Authentizität: Sowohl die Charaktere als auch die Performances der Darsteller sind absolut glaubwürdig, intensiv und gehen zu Herzen. Dabei ist Kevin Chickens Debutwerk auf eine Weise Doppelbödig, dass sie den Zuschauer bis zur letzten Szene (und darüber hinaus) im Unklaren lässt, wie sich alles entwickeln wird und was dieser Ausbruch düsterster Begierden mit seinen Protagonisten letztlich anstellen, wie es sie formen, verändern und vielleicht brechen wird.

Dass Bob trotz all seiner Taten auch sympathisch erscheint und man ihm wünscht, dass er, der ja auch ganz extrem Opfer des Schicksals ist, von seinen inneren Dämonen befreit wird (in meinem Fall durch den Wunsch, dass Katia ihre Rolle als sein Lebenswerk akzeptiert und genießt), spricht für das grandiose Script und Schauspiel.

Als Bob schließlich alle Grenzen überschreitet und auch andere in diesen Strudel extremster Obsessionen hineingezogen und zerstört werden, macht sich aber auch immer wieder Eiseskälte in den Adern breit. Wie sehr wünscht man Bob, er wäre nicht nur ein Opfer dieser (gerade für den Künstler) entsetzlichen Krankheit geworden, sondern er hätte auch eine Frau gefunden, die bereit gewesen wäre, sich ihm freiwillig auf diese Weise hinzugeben. Zwei Menschen, die auf diese intensive Weise ein erotisches Kunstwerk und eine Verbindung von solcher Größe miteinander umsetzen und teilen und dabei über alle Grenzen menschlichen Daseins und Fühlens hinauswachsen, dieser Gedanke berauscht mich geradezu.
 

Die schauspielerische Tour de Force meistern alle Darsteller mit solcher Bravour, dass man tatsächlich vergessen kann, es nur mit einem Film zu tun zu haben. Die Schauspieler geben ihren Figuren eine Tiefe und Glaubwürdigkeit, die mir höchsten Respekt abnötigt. Gerade wenn man sich selbst in solchen Kreisen bewegt, erkennt man unglaublich viel wieder.

Menschen, die nicht selbst derartige Fantasien, Leidenschaften und Fetische haben, werden sich wohl schwer damit tun, die Motivationen der Charaktere, insbesondere Bobs nachzuvollziehen (wie man auch manchen Reviews entnehmen kann und auch das enttäuschende Rotten Tomatoes Rating von nur 40% zeigt. Wobei ich mich allerdings frage, was die Menschen erwartet haben, die diesen Film anschauen und dann enttäuscht sind). Ich hingegen, als intensiv-extreme Fetischistin, kann mich ganz und gar in die inneren Welten der Protagonisten hineinversetzen.

Hätte der Film auch funktioniert, wenn Katia sich freiwillig zur Leinwand von Bobs Obsessionen gemacht hätte? Vielleicht, aber auf eine gänzlich andere und wohl weit weniger publikumswirksame Weise. So werden beide in diesem Psychodrama im Grunde zu tragischen Opfern des Schicksals, die nicht wirklich eine Wahl haben.
 

Ich habe diesen Film sehr genossen und war von Anfang bis Ende absolut gefesselt. Der melodisch-treibender Industrial Soundtrack unterstreicht die Bilder meines Erachtens perfekt.  Mir persönlich hätte alles gern noch weiter gehen können und auch die Gestaltung der Tattoos sind nicht so recht nach meinem Geschmack, aber definitiv alles andere als hässlich. Einzige echte Enttäuschung: Das „Behind the Scenes“ bietet lediglich eine Aufnahme, wie ein Abguss von Natalia Kostrzewas Kopf und Oberkörper hergestellt wird). So bleibt offen, was bei den Dreharbeiten Special Effekt und was real gewesen ist – was aber natürlich auch alles ein ganzes Stück spannender macht.
 

 

Ergänzung:

Ein ganz persönlicher Traum von mir: Dass ein (oder mehrere im Einklang) Body-Art/Mod-Artist mich über Jahre mehr und mehr in ein lebendes, bizarres Fetisch-Alien-Kunstwerk verwandelt und das ganze filmisch dokumentiert wird. Vielleicht geschieht das eines Tages wirklich.

Alle Fotos © Kew Media Group

 

*Debris: Eine ganz besonders intensive und harte Form der Unterwerfung und (teilweisen Brechung) einer SM-Sklavin. Wer Interesse an dieser Spielart hat, sollte einmal nach Debris-X googeln. Mich fasziniert Debris – aber nur, wenn es sich nicht um bloßen Missbrauch einer ziellosen Person handelt.

 

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Wieso ausgerechnet ich einen Blog über Leidenschaft, Sex und alles drum herum verfasse? Weil ich bis vor einigen Jahren selbst noch unfassbar ahnungslos war, mich am liebsten in Kuscheltraumwelten versetzte und ein süßes, doch unscheinbares sexuell fast völlig unerfahrenes Pflänzchen war.

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