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BDSM in Film und Medien


Da ich nun seit einiger Zeit für mein Blog Fetisch- und SM-Spielfilme aus meiner Sammlung vorstelle, hielt ich es für angebracht, mir nach langer Zeit auch wieder einmal zu vergegenwärtigen, was der Markt in dieser Hinsicht zurzeit hergibt…  Wie erwartet wurde ich schnell ernüchtert.  Machen die Poster und Cover teilweise noch neugierig oder sogar Appetit (Dogs Don't Wear Pants – Finnish: Koirat eivät käytä housuja), so ernüchtern die Inhaltsbeschreibungen und Schlagworte mich doch schnell wieder. Wobei ich mir „Dogs Don't Wear Pants“ wohl aus rein ästhetischer Neugierde einmal anschauen werde, wenngleich mich der Blick der Dominatrix-Darstellerin schon vermuten lässt, dass der Film mich wohl nicht überzeugen wird*.

Drama, Zerstörung, Untergang, Abgrund, Missbrauch, Zerrissenheit, Psychosen…

Es zeigt sich also wieder einmal genau das Bild, das die unwissende Masse über Fetisch und BDSM in den Köpfen trägt: Wer so etwas macht, muss entweder eine elende, zerbrochene Kreatur sein, oder ein selbstsüchtiger Missbrauchender, der so eigenen Missbrauch und Verletztheit kompensiert. Genau. Und Sex ist ja sowieso was ganz schlimmes, das man eigentlich als moderner Mensch überwinden sollte. Wer Lust an ungezwungenem Sex und Schmerzen und Erniedrigung hat, ist halt Monster oder Opfer und gehört auf jeden Fall in Therapie (LOL).
 

Dogs don´t wear pantsDominatrix der inneren Leere: Dogs Don't Wear Pants | © SF Film Finland

Wie tief verwurzelt bei „Normalos“ diese Vorurteile und Abscheu gegenüber der Fetisch- und SM-Welt sind, erlebte ich in vielen Dialogen mit meiner Mami, der ich leider nie vermitteln konnte, wie erfüllend und glücklich meine Dom/Sub-Beziehung mit meinem Herrn war.  Sie wollte es nicht wissen, zelebrierte lieber die Bilder und Vorurteile, die RTL2, BILD & Co in ihr geweckt hatten. Aber ich wollte auch nicht verschweigen, was ich da lebte, denn Verstecken kam für mich nie infrage.  Leider musste ich aber auch im Umgang mit der Umwelt (Freunde und Bekannte, Web-Agentur) immer wieder erleben, dass eine freundliche Offenheit auf pure Ablehnung stieß.

Und ich bin gewiss nicht mit intensiven Details hausieren gegangen oder habe diese jemandem aufgedrängt. Aber ich beantwortete offen Fragen, wenn jemand Interesse zeigte – was dann nur zu oft benutzt wurde, um hinter meinem Rücken zu lästern, was für eine entsetzliche Person ich doch bin, weil ich „sowas mache“. Ein wenig Verbitterung ist da zurückgeblieben. Gleichwohl versuche ich auch heute immer noch zu vermitteln, wie wundervoll die Welten von Kink, Hedonismus, Fetisch, SM und BDSM sein können. Und mir ist nur zu bewusst, dass ich dadurch zwar eine spannende und schillernde Person bin, aber nicht jemand, mit dem über längere Zeit man wirklich engen Kontakt pflegt. Lession learned – walking to the Gate to a better kinky World ?

Natürlich ist die BDSM-Welt nicht immer nur wundervoll, schillernd und aufbauend. Aber ein Großteil des Negativen, das dort geschieht, hat doch gerade damit zu tun, dass die Szene von den „Normalen“ in den Untergrund gedrängt wird. Ich weiß selbst noch gut, wie viel Mut es mich damals kostete, mich mit meinen SM-Fantasien zu outen.
 

SecretaryKarneval der Verlorenen: Secretary | © Lions Gate Films

Zum Glück hatte ich einen Therapeuten (der auch Sexual-Therapeut war) der mich darin bestärkte: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass das in Ihrem Fall genau das richtige für Sie ist“. Und ich hatte das unglaubliche Glück, dass ganz viele meiner Freunde und Bekannten von damals sich mir daraufhin auch offenbarten und einige davon tatsächlich aktive SM-Party-Besucher waren. So musste ich meinen Weg dann nicht allein mit dubiosen Online-Bekanntschaften suchen, sondern wurde an die Hand genommen. Der Rest ist wundervolle Geschichte ?

Weil das Stöbern durch das entsprechende Filmangebot immer wieder diese unangenehmen Erfahrungen und Erinnerungen triggert, tue ich es so selten. Und jetzt schreibe ich mir halt ein wenig gerechten Zorn von der Seele. Nuff said!

Ich fühle mich jedenfalls dadurch bestärkt, hier weiterhin nur solche Filme zu präsentieren, die mich persönlich ansprechen – auch wenn es davon offenbar nur sehr wenige gibt. Tipps können in den Kommentaren gern geposted werden, ich freue mich. Ebenso wie über konstruktiv-kritische Debatten mittels der „Kommentare-Funktion.

Mistress Chauve

 

*Wer mir nun unterstellt, ich würde einem Film keine Chance geben, weil ich ihn von vornherein als schlecht abstemple, schätzt mich gründlich falsch ein. Es kommt sogar sehr oft vor, dass mich Filme, an die ich mit geringer Erwartung heranging, vollkommen begeisterten, wohingegen zu hohe Erwartungen oft enttäuscht werden. Ich bilde mir allgemein sehr schnell eine Meinung, bin aber auch ausgesprochen schnell darin, diese zu revidieren.

Kommentare:

Na Dine schrieb am 27. April 2021 um 01.13 Uhr:

... hätte ich nicht besser schreiben können ... BDSM im Film wird meist als Krankheit dargestellt ... dein Therapeut ist wirklich ien Glücksfall ... so viel in der Psychotherapie geht nur darum Menschen normal und angepasst zu machen ... dir weiterhin frohes Schreiben :-)

  • Mistress Chauve antwortete am 27. April 2021 um 13.34 Uhr:

    Herzlichen Dank für den schönen Kommentar, Na Dine. Ich bin wirklich glücklich, dass ich ihn damals hatte (er ist inzwischen im wohlverdienten Ruhestand) und bin ihm noch immer sehr dankbar für sehr vieles 😇


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